Kino in der Reitschule

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Die Apr 22 09:29:55 CEST 2003


Neue Filme aus dem IRAN in der Woche vom 24. bis 26. April 03
im Kino in der Reitschule

Donnerstag, 24. April, 21.00h
Le vent nous emportera, (Bad ma ra khahad bord), Abbas Kiarostami, Iran 1999, 118 Min., 35mm, Farsi/dt./frz.
Drei Männer aus Teheran kommen für einen kurzen Aufenthalt in ein kleines kurdisches Dorf im Iran. Einer der drei ist Fotograf und wartet auf das Ableben einer uralten Frau, um eine seltene Trauerzeremonie aufzunehmen. Doch die "Invalide", wie sie im Film auch genannt wird, will und will nicht sterben. Der Fotograf erfährt im Gespräch mit den DorfbewohnerInnen einiges über deren Leben und Traditionen. Sein Hauptansprechpartner ist vor allem ein kleiner Junge, der ständig lernt oder sich auf dem Weg zur Schule befindet. Immer wieder erhält Behzad, der Fotograf, Anrufe seiner Arbeitgeberin auf seinem Handy und hetzt durch die verwinkelten Gassen des Dorfes hinauf auf einen Hügel, auf dem der Netz-Empfang besser ist. Am Ende wird Behzad unverrichteter Dinge abreisen. Niemand weiss, wonach er wirklich gesucht hat, und niemand weiss bei seiner Abreise, ob er "es" gefunden hat.
Le vent nous emportera ist eine filmische Reflexion über die Konfrontation von Leben und Tod und zugleich eine zutiefst mystische Überlegung, dass nicht das Ziel, sondern der Weg dahin zur eigentlichen Vollendung führt.


Freitag, 25. April, 21.00hb - Vorpremière
Ten, Abbas Kiarostami, Iran 2002, 91 Min., 35mm, Farsi/dt./frz.
Eine junge Mutter fährt ihren Sohn zum Schwimmbad und streitet sich dabei mit ihm über seinen Vater, von dem sie sich hat scheiden lassen. Auf ihrer weiteren Autofahrt durch Teheran nimmt sie ihre Schwester, eine Freundin und einige fremde Frauen mit, die mit ihr über Erziehung und Ehe, Liebe und Religion sprechen. So entfalten sich zehn Episoden im emotionalen Leben von sechs Frauen, die vor bestimmten Herausforderungen stehen. Es könnten auch verschiedene Momente aus dem Leben derselben Frau sein, und es ist die Kunst des grossen iranischen Regisseurs, aus einer begrenzten Situation mit sparsamen Mitteln und überzeugenden Schauspielerinnen einen Film zu gestalten, der weit über seine Grenzen hinaus wirkt.

Samstag, 26. April, 19.00h und 21.00h
Die Legende der Liebe, (Afsaneh-e eshgh), Farhad Mehranfar, Iran 2001, 83Min, 35mm, Farsi/dt./frz.
Archaische Bergwelt, Täler und Bergdörfer, Schluchten und Strassen, entlegenes Gebiet, und dennoch umkämpft für die Freiheit und Unabhängigkeit. Die junge Ärztin Khazar beginnt eine lange Reise durch das zerklüftete Kurdistan, um ihren Geliebten Horam zu finden, den sie in der Studienzeit kennen gelernt hatte und der hier in einem Bergdorf als Arzt arbeitet. Ihre Reise gerät zu einer Suche, auf der sie sich durch lokale Rituale und fabelhafte Vorstellungen bewegt, vordringt in die Tiefen einer Landschaft, in der Figuren auftauchen und verschwinden und bald einmal unklar scheint, was nun wirklich und was erträumt ist. Leben und Legende werden eins in diesem Film von Farhad Mehranfar, der es versteht, uns eine reiche Welt an Zeichen vor Augen zu führen und hinein zu geleiten in eine unbekannte Bergwelt und den wohlbekannten Wunsch von Menschen: Frei zu sein und selber über das Schicksal ihrer Gemeinschaft bestimmen zu können. 

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